Ein öd-brauner Landstrich, in weiter Ferne ist die Skyline einer Stadt zu sehen. Von dort kommt ein Roboter hinüber geschwebt und stoppt über der Müllkippe. Allerlei Schrott purzelt heraus, außerdem ein kleiner Roboter in seinen Einzelteilen. Und eben dieser kleine mechanische Knirps ist es, in dessen Rolle der Spieler im Adventure Machinarium schlüpft. Auf den kleinen Joseph wartet ein großes Abenteuer: Er muss einen terroristischen Anschlag verhindern und außerdem noch die Liebe seines Lebens retten - sobald alle Körperteile wieder fest verankert sind.

Und genau mit dieser Aufgabe beginnt das Spiel. Auf der Halde liegen Kopf, Torso, Arme und Beine verstreut, ein kleiner Müllsammler mopst schnell einen der beiden Arme. Glücklicherweise sind die Körperteile einzeln steuerbar, so dass Joseph bald wieder alle Gliedmaßen am rechten Platz hat. Der Müllsammler mag den Arm aber nicht ohne Gegenleistung wieder hergeben, er möchte eine kleine Puppe haben. Durch diese anfänglichen Aufgaben lernt der Spieler welche Handgriffe den kleinen Roboter mit sich und der Umwelt interagieren lassen.
| Kleiner Roboter ganz groß |
Joseph mag klein sein, doch er hat einige Tricks auf Lager. Sein mechanischer Torso kann sich strecken und stauchen, so kann der Spieler auch abgelegene Stellen erreichen. Bestes Beispiel ist die Puppe für den Müllsammler, die liegt nämlich weit oben auf einem Schrank. Ein Klick und eine Mausbewegung nach oben reicht aus und schon macht sich Joseph lang und erreicht schließlich auch die Puppe. Dieses Element haben die Entwickler von Amanita Design des Öfteren verwendet um verschiedene Rätsel in Machinarium zu lösen.
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Joseph versucht wieder in die Roboter-Stadt hinein zu kommen
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In Machinarium halten sich typische Sammeln-und-Benutzen-Rätsel und mechanische Rätsel die Waage. Ein Seil und ein Magnet ergeben eine nützliche Angel für Metallteile, ein über eine Schalttafel steuerbares Rohr ist - richtig justiert natürlich - eine Kletterhilfe. So anspruchsvoll wie in Myst sind die Aufgaben aber bei weitem nicht, mit ein wenig Nachdenken oder einem Blick in die integrierte Hilfe kommt man immer ans Ziel. Um Hilfestellung zu bekommen muss allerdings zuerst ein kleines Minispiel a la Pac Man gewonnen werden. Eine nette Idee, um sich die Hilfe zu verdienen.
| Das schlussendliche Ganze |
Machinarium beginnt auf der Müllkippe - aber warum landet der kleine Joseph dort überhaupt, in seine Einzelteile zerlegt? Kurz darauf trifft der mechanische Knirps auf die terroristischen Bombenleger - aber welchen Plan verfolgen sie damit den Bürgermeister in die Luft zu sprengen? Und er ist überhaupt die junge Roboterdame, die immer wieder durch die Gedanken von Joseph stolziert? Die Geschichte funktioniert nach dem Prinzip der Rätsel: Ausprobieren ist Trumpf, Hilfen gibt es so gut wie nicht. Gegen Ende es Spiels ergeben alle Stränge von Machinarium aber ein großes Ganzes.
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In der Stadt trifft der kleine Roboter auf allerlei Charaktere
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Neben Rätseln bietet das Adventure außerdem allerlei verschiedene Minispiele. Hier hätten die Entwickler allerdings auf das eine oder andere Spielchen verzichten können, denn wirklich gute Knobeleien gibt es darunter selten - das Repertoire reicht von öde bis völlig überflüssig. Ohne wäre die Spielzeit von Machinarium aber wohl noch kürzer ausgefallen als die ohnehin schon knapp bemessenen fünf bis sechs Stunden. Diese Spielzeit erreicht man aber auch nur wenn man sich um alle logischen Aufgaben selbst kümmert und die integrierte Hilfe außen vor lässt.
Die Steuerung des kleinen Joseph fällt denkbar einfach aus, denn das gesamte Spiel wird mit nur einer Maustaste gesteuert. Objekte untersuchen, verbinden, benutzen, aufheben und herumlaufen - alles funktioniert je nach angezeigter Aktion. Der kleine Roboter kann übrigens nicht überall hin laufen sondern nur dort wo es die entsprechende Aktion anzeigt. So fühlt man sich ein wenig eingeschränkt, im Verlauf des Spiels geht das aber verloren. All die liebevollen Hintergründe, Details, Charaktere und Einfälle tragen das Spiel, bis der kleine Joseph es schafft alle Hindernisse aus dem Weg zu räumen.
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Die Roboter-Stadt ist wunderschön gezeichnet
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Machinarium hat in diesem Jahr den Preis des Independent Games Festival für herausragende Grafik gewonnen - und das kommt nicht von ungefähr. Das Spiel wird völlig in 2D-Grafik dargestellt, alle Schauplätze sind handgezeichnet, die Charaktere ebenso. Und eben dieser Stil, den Machinarium dadurch auf den Monitor bringt, ist zwar farblich meist recht trist, passt aber wunderbar zum Geschehen und zur angestrebten Atmosphäre. Auch den kleinen Joseph schließt man schnell ins Herz, durch allerlei wunderbar gezeichneter Trotteleien muss man ihn einfach lieb haben.
Wie es sich in der Preview-Version bereits abzeichnete ist Machinarium ein tolles Abenteuer geworden. Zugegeben, es hat unter mancherlei Problemen wie vieler Sucherei, qualitativ schlechteren Minispielen und kurzer Spielzeit zu leiden. Trotzdem ist das Abenteuer rund um den kleinen Knirps Joseph in der surrealen Roboter-Welt eine interessante Erfahrung - und das allein schon wegen des Protagonisten selbst. Joseph ist ein wenig trottelig, aber gerade das macht ihn und das Spiel sehr sympathisch. Wer nach einem etwas anderen Adventure sucht sollte sich mit Joseph ins Abenteuer stürzen. Als kleine Dreingabe enthält die Verpackung außerdem den stimmigen Machinarium-Soundtrack, ein Poster und das Adventure Samorost 2.
Drucken | review | 19.11.2009, 14:19 |
Tim Ahlert