Auch in unserer heutzutage völlig technisierten Welt voller Computer und Maschinen ist der Beruf des Landwirtes einfach nicht wegzudenken. Wer würde des morgens schon gern sein Müsli ohne Milch essen? Und wo wir schon beim Müsli sind: Die Haferflocken würden natürlich auch fehlen. Auch der Mittagstisch wäre ohne Schweinebraten, krosses Hähnchen oder Rinderbraten auf Dauer verdammt leer. Und manch einer, der jeden Tag acht Stunden hinter seinem Schreibtisch sitzt, wünscht sich nichts anderes als mit dem Traktor über grüne Wiesen zu kurven, Felder zu bestellen und mit einem Hänger Heuballen einzubringen.

Auch in diesem Jahr sorgt astragon Software wieder dafür, dass dieser Traum (zumindest virtuell) Wirklichkeit werden kann. Denn der Landwirtschafts-Simulator 2009 lässt den Spieler in die Rolle eines Landwirtes schlüpfen, der mit einem gerade erst geerbten Bauernhof samt alter Maschinen sein täglich Brot verdienen muss. Im letzten Jahr verkaufte sich der Landwirtschafts-Simulator 2008 ausnehmend gut, und auch dieses Jahr führte die Simulation die Verkaufscharts von Amazon.de über Monate hindurch an. Also muss das virtuelle Leben als Landwirt durchaus seine Vorzüge haben - oder steht die Welt der PC-Spiele Kopf?
| Ein Bauer stand im Sauerland... |
Im Sauerland stimmt nicht so ganz, die Karriere des Landwirtschafts-Simulator 2009 beginnt vor dem Tor eines Gehöftes auf einer mehr oder weniger großen Insel, die der Spieler in seiner Rolle als virtueller Bauer nach Lust und Laune erkunden kann. Das Problem dabei: Viel zu erkunden gibt es dort nicht. Schließlich ist der Landwirtschafts-Simulator 2009 aber auch kein Rollenspiel, sondern eine Simulation, also machen wir uns an die Arbeit. Auf dem Hof steht einiges altes Gerät herum, mit dem wir uns nun daran machen, das nächste Feld zu furchen, um schließlich mit Saatgut im Gepäck erneut über den Acker zu rumpeln.
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Mit der Pflüge wird der Acker zur Aussaat bereit gemacht
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Die Karriere lässt sich auf drei Schwierigkeitsstufen spielen, die sich allerdings nur in Sachen Startkapital unterscheiden. Egal wie viel Geld von Beginn an zur Verfügung steht, regelmäßige Einnahmen müssen her. Um dies zu bewerkstelligen können vier Fruchtarten auf den Feldern ausgesät werden: Gerste, Mais, Raps und Weizen. Nach dem Einbringen werden sie an den entsprechenden Stellen an den Mann gebracht: Gerste wandert in die Brauerei, Weizen zur Mühle. Zusätzlich müssen Wiesen mit dem Mähdrescher gemäht, zu Ballen gepresst und eingebracht werden. Über Arbeitsmangel können sich virtuelle Bauern also nicht beschweren.
Geld ist nicht nur nötig um den Hof in Schuss zu halten und den Traktor betanken zu können, ein Bauer der etwas auf sich hält, will schließlich auch einmal sein altes Gerät gegen moderne Landmaschinen eintauschen. Während sich unsereiner gern einmal die Nase am Porsche-Autohaus platt drückt steht ein Landwirt vor der Scheibe des nächsten Fendt Händlers - und davon gibt es auch einen auf der Insel des Landwirtschafts-Simulator 2009. Ist erst einmal ein ordentlicher Bonus erarbeitet können dort der betagte Traktor und Mähdrescher gegen moderne Erntehelfer eingetauscht werden. Bei der Arbeit helfen tun die neuen Maschinen nicht viel, aber wer fährt schon gern einen Lada wenn das Budget einen Porsche zulässt?
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Die gesamte Insel lässt sich jederzeit frei erkunden
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Wer vor seiner virtuellen Karriere als Landwirt das Handwerk zuerst einmal erlernen möchte kann sich mit den 17 Missionen auseinandersetzen, die verschiedene Aufgaben aus dem Alltag eines Landwirtes beinhalten. Felder müssen gemäht, Heuballen eingebracht und unter Zeitdruck verladen werden. Außerdem geht es mit Traktor und Anhänger über verschiedene Hindernisstrecken, wo jedoch schnell die eigentümliche Physik des Spiels auffällt. Traktor und Hänger springen bei kleinen Rampen oder Mulden gern einmal einige Meter durch die Luft. Am Ende folgt eine Bewertung, das Ergebnis wird mit Gold, Silber oder Bronze honoriert.
Die Entwickler haben sich bemüht etwas Abwechselung ins Spiel zu bringen: So gilt es im Verlauf einer Mission Pfandflaschen zu sammeln, die auf der Insel verstreut sind. Sind alle Flaschen gesammelt geht es im Eiltempo zur Annahmestelle. Während der Karriere verbessert dies das Ansehen auf der Insel, eine Flasche entspricht einem Prozent. Ansehen bringt und spart Geld. Wer ein hohes Ansehen besitzt bekommt beim Händler mehr Geld für sein altes Gerät, außerdem sind die Abnehmer der erwirtschafteten Güter bereit, mehr für die Erzeugnisse vom virtuellen Biobauern zu bezahlen.
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Neue Maschinen werden beim Fendt Händler gekauft
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Technisch bietet der Landwirtschafts-Simulator 2009 das, was man von einem Spiel für 20 Euro erwarten kann. Die Maschinen und Fahrzeuge sind durchaus detailliert und schön in Szene gesetzt - von A wie Anhänger bis Z wie Zettkreisel ist alles dabei. Ansonsten besticht das virtuelle Eiland durch Sterilität: Die Texturen wirken blass, die Umgebung und die Gebäude kantig und polygonarm. In Sachen Akustik muss man sich mit dem Getöse der eigenen Landmaschinen zufrieden geben, während man mit Traktor und Ballenpresse über das Feld rumpelt. Umgebungsgeräusche gibt es im Landwirtschafts-Simulator 2009 so gut wie keine.
Der Landwirtschafts-Simulator 2009 ist ein schwer einzuordnendes Stück Software. Das Gameplay bleibt ständig gleich, in Sachen Abwechselung muss man sich mit verschiedene Landmaschinen zufrieden geben. Und trotzdem macht es irgendwie Spaß mit Traktor und Pflüge das Feld für die Saat vorzubereiten, um schließlich mit der Sämaschine die Samen zu verteilen. Nichts desto trotz, nach einer halben Stunde spätestens ist die Luft raus. Es mangelt einfach an verschiedene Aufgaben, Abwechselung und Anspruch. So ist der Landwirtschafts-Simulator 2009 vor allem für Kinder geeignet, die sich für einen Bauernhof und das Drumherum interessieren.
Drucken | review | 25.04.2009, 18:44 |
Tim Ahlert