Krimiserien made in USA kommen beim deutschen Fernsehpublikum bestens an. Man braucht nur die Fernsehzeitung aufzuschlagen und schon fühlt man sich mehr als bestätigt: CSI, CSI New York, CSI Miami, Law & Order, The Shield oder Crossing Jordan – Seit Jahren erleben die amerikanischen Krimiserien hierzulande eine wahre Blütezeit. Und wie es sich gehört, wird bei erfolgreichen Namen oder Produkten versucht, das Möglichste herauszuholen, was den finanziellen Gesichtspunkt angeht. So wurden CSI und Law & Order bereits des Öfteren in PC-Spielen verarbeitet – mit ehr schlechtem als rechtem Erfolg. Aktueller Kandidat, der sich als PC-Umsetzung versucht, ist das kürzlich veröffentlichte Criminal Intent.

Entwickler Legacy Interactive hat sich im Genre bereits einen Namen gemacht, durch die wenig gelungenen Umsetzungen der Law & Order Serie. Criminal Intent wird zeigen, ob die Entwickler aus ihren bisherigen Fehlern gelernt haben. Im Spiel schlüpfen Hobby-Kriminalisten in die Rolle des Detective Robert Goren, bekannt aus der TV-Serie. Zur Auswahl stehen im Spiel vier Mordfälle, die zu Beginn des Spiels wählbar sind und allesamt eines gemeinsam haben: Einen Mordfall. Somit geht der Spieler als virtueller Detective auf die Jagd nach vier Mördern, die es zu überführen gilt.
Dabei verlaufen alle vier Fälle nach ein und demselben Muster: Mit Hilfe der Maus scheucht der Spieler Detective Robert Goren über die vorgerenderten Locations und hält dabei Ausschau nach Dingen und Objekten, die interessant sein könnten; dabei füllt sich das Inventar nach und nach mit einer Menge Dingen. So werden am Tatort neben einer Leiche ein gesplittertes Glas und blutige Scherben aufgesammelt und anschließend zur Untersuchung ins Labor geschickt: Es kommt heraus dass dem Opfer damit post Mortem die Pulsschlagadern durchtrennt wurden – Aber warum? Auf diese Art und Weise muss der Spieler Indizien und Beweise zusammentragen, sie von der Personalüberwachung und dem Kriminallabor untersuchen lassen und daraufhin den Mörder überführen. Bei schwerwiegenden Beweisen kann der Spieler auch einen Durchsuchungsbefehl beantragen.
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Mit Hilfe des PDA lässt der Spieler gefundene Objekte untersuchen
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Zwischendurch weicht Criminal Intent von der ewigen Objektsuche ab und bietet dem Spieler, im Stile eines Kriminal-Adventures, Rätsel die es zu lösen gilt. So findet der Spieler in der Wohnung eines Opfers eine Kiste, die mit einem speziellen Schloss versehen ist; es besteh aus einem kleinen Puzzle, das zu einem Bild zusammen geschoben werden muss. Zudem gilt es durch Beobachtungsgabe Dinge herauszufinden oder zu bemerken: Der PC eines Opfers benötigt ein Passwort, das der Ermittler natürlich nicht kennt. Schaut man sich kurz in der näheren Umgebung um sticht es als Titel eines Buches jedoch hervor. Ab und an müssen Beweise auch zusammengesetzt werden, beispielsweise muss ein zerrissener Zettel wieder korrekt zusammengefügt werden – somit hält sich der Schwierigkeitsgrad der Rätsel auf einem recht niedrigen Level.
| Hin und Her in New York City |
Zur Koordination im Spiel nutzt Detective Robert Goren einen PDA, auf dem alle wichtigen Daten gespeichert sind. Mit Hilfe einer Karte von New York kann sich der Spieler zwischen den verschiedenen Schauplätzen hin und her bewegen, sei es nun der Tatort, das Leichenschauhaus oder das Hauptquartier. Zudem speichert der PDA Anrufe und Mitteilungen, etwa wenn das Labor einige Objekte untersucht hat und das Ergebnis vorliegt – für den Spieler das Zeichen dort einmal vorbeizuschauen. Des Weiteren beinhaltet der PDA eine Liste aller Charaktere, deren Bekanntschaft der Ermittler während der Arbeit macht, ebenfalls wartet das Inventar mit allen gesammelten Gegenständen auf.
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Auch derartige Puzzle- und Schieberätsel stehen auf dem Programm
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Um an die Identitäten der Mörder zu gelangen muss der Spieler massig Gespräche führen; hier haben die Entwickler ein kleines Stimmungs-Feature ins Spiel eingebaut. Der Spieler kann bei jeder Frage wählen wie er vorgehen will: direkt, mitfühlend, ärgerlich, etc. Dies wirkt sich dann auf die Gesprächspartner aus. Eine grüne Anzeige während des Gesprächs zeigt eine gute Stimmung an, eine Rote das genau Gegenteil. Ist schlussendlich die rote Anzeige zuerst gefüllt ist das Gespräch damit vorbei. Allerdings kam es während des gesamten Tests nicht einmal vor, dass die abgeneigte Stimmung eines Gesprächspartners siegte.
Entwickler Legacy Interactive bleibt, zumindest in den meisten Punkten, (leider) seiner Linie treu. Erstmals bewegt sich der Spieler nicht in der Ego-Perspektive des Ermittlers über die Locations, in der Verfolgerperspektive gibt er dem dreidimensional dargestellten Detective Robert Goren mit Hilfe der Maus vor, wo er nach Spuren suchen soll – wobei die Animationen allerdings sehr hölzern und unmenschlich wirken. Ansonsten bleibt aber alles beim Alten: Criminal Intent wird durch vorgerenderte Locations dargestellt, die sich in einer festen Auflösung präsentieren. Somit wird das Kriminal-Adventure vor allem bei hohen Auflösungen zu einer verschwommenen Spurensuche. Die Locations hinterlassen ohnehin keinen allzu guten Eindruck; meist wirken sie einfach viel zu unlebendig und steril.
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Detective Robert Goren untersucht den Schauplatz eines Verbrechens
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Akustisch lebt Criminal Intent von einer gelungenen deutschen Vertonung, jeder Charakter wurde mit einer eigenen deutschen Synchronstimme versehen. Die Synchronisation hinterlässt im Ganzen einen guten Eindruck, Kenner der TV-Serie werden sich aber über die Vertonung des Protagonisten freuen: Detective Robert Goren wird von Christian Weygand gesprochen; der Synchronsprecher leiht Goren auch in der TV-Serie seine Stimme. Dank der bekannten Stimme und dem ähnlichen Aussehen des Protagonisten schafft das Kriminal-Adventure es kurzweilig etwas Stimmung der TV-Serie zu übertragen – dieser Zustand ist allerdings nicht von langer Dauern.
Legacy Interactive hat aus einigen alten Fehlern gelernt, aus anderen wiederum nicht. Nach wie vor präsentieren sich die Spiele in einer festen Auflösung, die bei vielen Spielern für verschwommene Darstellung sorgen wird. Zudem ist das Gameplay ein Knackpunkt des Spiels: Für einige Zeit macht es Spaß Indizien zu sammeln und untersuchen zu lassen – aber nicht endlos lang! Die Entwickler hätten lieber ein paar mehr Rätsel und Puzzle ins Spiel einbauen sollen anstatt der auf Dauer öden Indiziensucherei. Zu Gute halten muss man den Entwicklern allerdings, dass sie das Geschehen nicht mehr aus der Ego-Perspektive des Protagonisten erzählen, sondern aus der Verfolgerperspektive – hier hätten allerdings bessere Animationen Wunder gewirkt. Zeitweise schafft Criminal Intent es aber doch etwas von der Stimmung der TV-Serie aufleben zu lassen, was vor allem der gelungenen Vertonung zu verdanken ist; aber auch den vier Mordfällen, die aus der Feder der Autoren der TV-Serie stammen, tragen einen Teil dazu bei. Trotzdem ist und bleibt die Umsetzung von Criminal Intent ein Fall für Liebhaber der Serie – nicht mehr und nicht weniger.
Drucken | review | 01.07.2007, 22:14 |
Tim Ahlert